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diesem Thema?

Das rätselhafte Miau -
Wie Katzen sprechen

Ohne dass bislang nachgewiesen wurde, ob oder wie Katzen die Bedeutung unserer Worte auffassen, messen Wissenschaftler die Qualität der Mensch-Katze-Beziehung u.a. daran, wie viel jemand mit seiner Katze spricht (Dennis C. Turner, "Die Mensch-Katze-Beziehung", Jena 1995). Wer seine Katze liebt, spricht mit ihr, und obschon es keine rationale Erklärung dafür gibt, kommt es mir manchmal so vor, als verstünden meine Katzen mich besser als ich sie. Ja, oft beschleicht mich das bestürzende Gefühl, dass sie sogar wortwörtlich begreifen, was ich zu ihnen sage. Ich weiß, dass ich mit dieser Beobachtung nicht allein dastehe. Viele bestätigen, dass ihre Katzen auf Ansprache verständig reagieren und miauend antworten. Doch nicht jeder, der Zwiegespräche mit seiner Katze hält, ist deshalb schon ein Heiliger Franziskus. Dank unglaublicher Beobachtungs- und Auffassungsgabe lernen Katzen, ihres Menschen Stimmungen, Gedanken und wohl auch verbale Mitteilungen zu erfassen. Umgekehrt klappt es nur schleppend mit dem Verstehen. Wir können mit der subtilen Katzensprache so wenig anfangen, dass unsere Katzen sich im Verlaufe der Domestikation entschlossen, extra für den Umgang mit uns Menschen eine Art Fremdsprache zu lernen!

Frühe Katzensprachler und Tier-Dolmetscher
dass Katzen in Menschensprache reden, kommt natürlich nur in Märchen wie dem vom Gestiefelten Kater vor. Immerhin war aber schon Michel de Montaigne (1533 - 1592) der Überzeugung, dass Tiere miteinander kommunizieren und dass sie auch uns Menschen etwas zu sagen haben. Aber was? Als der Naturalist Pierre-Samuel Dupont de Nemours (1739 - 1817) die Tiersprache zu erforschen begann, wurde er dafür belächelt, dass er die Krähensprache erlernte und gar ein Nachtigallenlied ins Französische zu übersetzen versuchte. Der um eine Generation jüngere französische Autor und Politiker Chateaubriand (1768 - 1848) hatte dagegen viel für Dupont de Nemours Studien der Katzensprache übrig. Er fand sie umfangreicher als die Hundesprache, da Katzen zwar dieselben Vokale hätten, jedoch darüber hinaus über die 6 Konsonanten m, n, g, h, v und f verfügten. Aus den zahlreicheren Lauten der Katzensprache schloss er auf einen bedeutend größeren Wortschatz! Der italienische Katzenfreund Abbé Galiani (1728 - 1787), der seine beiden Stubenkatzen studierte, stellte fest, dass sie das typische Miau nicht als Bestandteil unterhaltsamer Zwiesprache verwendeten, sondern als Ruf nach dem abwesenden Partner. Er bemerkte einen wesentlichen stimmlichen Unterschied zwischen Kater und Katze und außerdem über 20 Abwandlungen innerhalb der vokalen Lautäußerungen. Daraus leitete Galiani die Existenz einer echten Katzensprache ab, bei der mit bestimmten Tönen bestimmte Dinge gemeint wären. Noch über hundert Jahre später stimmte Helen M. Winslow, die sich in ihrem Buch "Concerning Cats" (Boston, 1900) mit diesen frühen Studien auseinandersetzte, dem voll zu. Hinzufügend meinte sie, dass Kastraten im Vergleich zu Katern ein geringeres Vokabular hätten und ein dünneres, höheres Stimmchen. Der von Winslow ebenfalls zitierte Pariser Professor Alphonse Léon Grimaldi setzte Duponts Forschungsarbeit um 1900 fort. Er postulierte eine gewisse Vergleichbarkeit des Sprechens bei Katzen und Menschen und gab sogar vor, sich mit Katzen in deren Sprache, die dem modernen Chinesisch vergleichbar wäre, unterhalten zu können. Dazu verfasste er ein 600 Vokabeln umfassendes Wörterbuch. Heutzutage wird man eher St. George Mivarts Theorie akzeptieren, die Katzen zwar die Fähigkeit zu stimmlicher Kommunikation zubilligt, nicht jedoch eine regelrechte Sprechfähigkeit ("The Cat", London, 1881). Mivart nannte diese Art der Verständigung "emotional language". In New York erschien im Jahre 1895 das erste Buch, das sich explizit mit der Katzensprache befaßt:"Pussy and Her Language". Der Autor Marvin R. Clark, ein erstklassiger Musiker, konnte mit seinem feinen Gehör 100 verschiedene Katzenäußerungen unterscheiden. Leider fand er dafür bei seinen Zeitgenossen weniger Anerkennung als vielmehr Spott. Da Clark nämlich blind war und seine geliebten Katzen nicht sehen konnte, unterliefen ihm zahlreiche Fehlinterpretationen, was zu offensichtlichen Fehlern bei der Vokabelübersetzung führte. Das Buch wurde ein Reinfall.

Mehr als Vokale und Konsonanten
Im 20. Jahrhundert analysierten auch Carl van Vechten ("The Tiger in the House", New York, 1936) und Ida M. Mellen ("A Practical Cat Book", New York, 1947) den phonetischen Umfang der Katzensprache. Während der blinde Clark seinen Katzen die Konsonanten b, d, f, l, m, p, r, t, v, w und j abgelauscht hatte, fand van Vechten m, p, r, s, t, niemals jedoch v und selten m. Mellen dagegen hörte ch, f, h, k, l, m, n, p, r, s, t, w, und sehr selten auch j. Mit der Auflistung von Konsonanten und Vokalen allein ist es allerdings nicht getan, wie schon der Katzenjournalist Brian Vesey-Fitzgerald ("Cats", London 1957) sehr richtig kommentierte. Bei Sprache geht es schließlich um den Sinngehalt. Wenn wir eine Katze schreien hören, wissen wir meistens sofort, ob es sich um eine Katzenhochzeit handelt, ob die Katze Hunger hat oder die Tür geöffnet haben möchte. Schwieriger wird es bei anderen Lauten, z. B. dem Knurren, dessen in unseren Ohren einfach klingender Ton für Katzenkinder je nach Erfordernis höchst unterschiedlich beantwortet wird. Warnt die Katzenmutter knurrend vor Gefahr, stürzen die Kleinen auseinander und suchen Deckung. Verscheucht sie knurrend einen Hund, bleiben sie dicht bei ihr. Knurrt sie, um nicht beim Essen gestört zu werden, halten sich die Kinder brav auf Abstand, verschwinden aber nicht. Verstehen sie feinste Differenzierungen des gleichen Klanges?

"Miau" - ein Fremdwort?
In den meisten Ländern und Kulturen wird die Ausdrucksweise der Katze lautmalerisch umschrieben. Was wir als "Miauen" bezeichnen, heißt arabisch naoua, chinesisch ming, griechisch larungizein, sanskrit madj, vid, bid, französisch miauler und englisch mew oder miaouw. Doch viel miauen Katzen nicht. Außerhalb von Kätzchenaufzucht, Paarung oder kämpferischen Auseinandersetzungen kommunizieren Katzen selten stimmlich miteinander. Da sie ursprünglich als solitäre Beutejäger lebten, ist Schweigsamkeit eine ihrer ererbten, einst lebensnotwendigen Tugenden. Erst im Verlaufe ihrer Haus- und Heimtierwerdung mussten sie wohl lernen, dass im Zusammenleben mit Menschen Schweigen nicht unbedingt Gold ist. Menschen verstehen nicht ohne weiteres Mimik und Körpersprache ihrer Mitgeschöpfe. Erst wenn die Katze jämmerlich miauend an der Kühlschranktür hin und her streicht, versteht jeder:"Hunger!" Professor Dr. Nicholas Dodman, Verhaltensforscher und Leiter der Klinik an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Tufts University, North Grafton, MA / USA, meint, dass Hauskatzen eigens fürs Zusammenleben mit Menschen eine regelrechte Sprache erlernen. Bestimmte Lautäußerungen, in der Wildnis ohne praktische Bedeutung, werden vom Katzenhalter oft belohnt. Die Katze lernt schnell, dass ihr Miau das Öffnen der Tür bewirkt, ihr ein gefülltes Tellerchen beschert oder die Einladung zu einem Nickerchen auf dem Schoß des Menschen. Mit der Zeit entwickelt sie ein ganzes Repertoire von Lauten, das ihr den Weg ebnet zu einem angenehmen Dasein in Gesellschaft ihrer menschlichen Freunde (FAB, 1966).

Individuelle Unterschiede
Wie viele verschiedene Laute eine Katze lernt, hängt davon ab, wie sie durch Belohnung gefördert wird, aber auch von ihrer eigenen Persönlichkeit. Wie bei Menschen gibt es die stilleren und die redseligeren. "Jede Katze wird unter gewissen Umständen Laute von sich geben, aber nicht jede kommuniziert vokal mit ihrer Umgebung," meint Dr. Solveig Pflueger vom Baystate Medical Centre in Springfields, Massachusetts, und fügt hinzu: "Es gibt Katzen, die hören sich gern reden. Sie reden zur Begrüßung, beim Essen und sogar mit ihren Spielsachen reden sie. Andere geben nur im Notfall einen Ton von sich, man müsste ihnen schon auf den Schwanz treten."

Rasseunterschiede
Bei bestimmten Rassen gibt es mehr, bei anderen weniger gesprächige Katzen. Wie D. Turner jüngst bestätigte, reden Rassekatzen mehr als Hauskatzen, Stubenkatzen mehr als Freigänger, von allen Rassekatzen Perser am wenigsten, Siamesen am meisten. Während letztere durch ihr eigentümlich babyähnliches Schreien auffallen, bemerkt Dr. Pflueger bei Bengalkatzen ein sirenenartiges Heulen, das klinge wie die Einleitung zu einem Katerkampf, bei Bengali jedoch die rassespezifische Art und Weise normaler Ausdrucksweise sei.

Lautbildung und Bedeutung
Die Verhaltensforschung hat zu diesem Thema so wenig Neues zu bieten, dass die Arbeit der Tierpsychologin Mildred Moelk von vor über 50 Jahren ("Vocalisation in the House Cat; a Phonetic and Functional Study", Am. J. Psychol. 57: 184 - 205, 1944) heute noch Beachtung findet. Moelk unterscheidet 16 Klangbilder mit jeweils bestimmter Bedeutung, die aber nicht Begriffe wie "Milch" oder "Spielen" meinen, sondern vielmehr als Ausdruck der jeweiligen Stimmungslage der Katze zu verstehen sind. Sie äußert sich zufrieden oder unzufrieden, vertrauensvoll oder unsicher, möchte etwas oder jemanden anlocken oder ausweichen. Da Katzen keine Vorschriften für korrekte Aussprache kennen, kommt es zu vielfältigen Variationen der Töne und Klangmuster. Moelk unterscheidet drei große Kategorien: (A) Murmel-Laute, (B) Vokalisierende Lautmuster, (C) Spannungsgeladene Lautmuster.

(A) Murmel-Laute
Sie signalisieren Zufriedenheit oder freundliche Kontaktaufnahme. Murmelnd werden Mensch oder befreundete Mitkatzen umschmeichelt und zum Näherkommen ermuntert. Dabei dringt die Atemluft durch die Nase nach außen, der Mund bleibt geschlossen.

1. Schnurren ('hrn-rhn- 'hrn-rhn...)
2. Bitte oder Begrüßung ('mhrn)
3. Ruf ('e-mhrn)
4. Dank oder Bestätigung (mhr§n)

(B) Vokalisierende Lautmuster
Die Katze öffnet zunächst den Mund und schließt ihn dann allmählich. Die Töne werden beim Ausatmen gebildet. Sie ähneln dem bekannten "Miau". Im Gegensatz zu Menschen, die beim Sprechen und Singen Lippen, Zunge, Kiefer und Stimmbänder gebrauchen und dadurch eine ungeheuere Bandbreite von Vokalen erzeugen, bilden Katzen die verschieden klingenden Vokale lediglich durch unterschiedliche Dehnung des Halses. Solches Miauen aus dem Hals verstehen die meisten Leute als Aufforderung oder Bitte: "Wo ist mein Essen?" oder "Bitte säubere mein Streukistchen!"

1. Verlangen (mhrn-a/:ou)
2. Bitte (mhrn-a:ou)
3. Verwunderung ('maou:?)
4. Klage ('mh§n-a:ou)
5. Deckschrei, schwache Form ('mhrn-a:ou)
6. Wutgeschrei (wa:ou:)

(C) Spannungsgeladene Lautmuster
Ähnlich wie wenn Menschen weinen, hält die Katze dabei den Mund offen und gespannt. Bei der Lautbildung wird die Luft forciert ausgestoßen. Diese Art Lautgebung lässt keinen Zweifel daran, dass die Katze aufgeregt und stark angespannt ist. Die spannungsgeladenen Lautmuster umfassen auch das Fauchen, Knurren, Schmerzensschreie und die lautesten Deckschreie.

1. Knurren (grrr...)
2. Jaulen ('ae:o)
3. Deckschrei, intensive Form (ö-ö':e)
4. Schmerz (ae!)
5. Weigerung ('ae z'ae z'ae)
6. Spucken (fft!)

Lautschrift-Schlüssel
(a) wie in Vater
(ae) wie in Ähre
(e) wie in Bett
(o) wie in Not
(ö) wie in Öl
(u) wie in Fluss
(n) Nasenlaut wie in fangen, singen
(§n) Nasenlaut wird manchmal weggelassen
(:) Verlängerung des vorherigen Lautes
(') Einatmung
(/) Betonung
(?) Stimmanhebung
(z) zitternde oder unterbrochene Stimme

Die entscheidende Frage
Eine neuere Untersuchung zum vokalen Repertoire der Katze von Patricia E. Mc Kinley, University of Maryland, 1982, scheint ähnlich aufgebaut zu sein wie die Moelks. Mc Kinley unterscheidet in ihrer Doktorarbeit zwei Gruppen von Vokalisationen. Reine Vokalbildungen, bestehend aus 15 Kategorien einheitlicher fortgesetzter Laute wie Knurren, Fauchen, Quieken oder Murmeln. Die zweite Gruppe enthält 8 Kategorien von aus zwei oder mehr zusammengesetzten Lauten der ersten Gruppe, wozu auch das bekannte "Miau" gehört. Dank moderner technischer Ausstattung fallen Mc Kinleys Beobachtungen weniger subjektiv aus. Anders als die früheren Forscher ist man heute nicht mehr auf sein Gehör angewiesen. Die Lautäußerungen der Katzen werden elektronisch aufgezeichnet und können in grafische Zeichen umgesetzt werden. Doch selbst das exakteste Sonogramm lässt die entscheidende semantische Frage offen: Was will die Katze damit sagen?

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